Depot oder Versicherung?

Diese Frage kann nicht generell beantwortet werden. Zum einen kommt es auf Ihre persönlichen Parameter wie z.B. den Steuersatz und den Verwendungszweck an. Zum anderen gibt es sehr viele verschiedene Produkte auf dem Markt, die differenziert betrachtet werden müssen und unter denen es gilt, ein sehr gutes herauszusuchen. Wir vertreiben ETFs bzw. Fonds sowohl in Depots als auch in Versicherungen. Daher stellen wir die Unterschiede hier unvoreingenommen dar und wollen keine Wertung abgeben.

In der Presse und im Internet gibt es diverse Artikel, in denen die Versicherungen regelmäßig schlecht abschneiden, weil keine differenzierte Betrachtung stattfindet. Es wird generell von hohen Kosten in Fondspolicen geredet, ohne diese detailliert darzustellen. Es werden ETF-Sparpläne mit Fondspolicen verglichen, die in aktiv gemanagte Fonds investieren. Kostengünstige Netto-Policen werden gar nicht oder nur am Rand erwähnt. Wer Äpfel mit Birnen vergleicht, bekommt auch ein entsprechendes Ergebnis.

Für unsere folgenden Ausführungen gelten 2 Prämissen:

ETFs statt aktiv gemanagter Fonds

Wir vertreten die Auffassung, dass aktiv gemanagte Fonds, sowohl im Depot als auch in einer Versicherung, nicht empfehlenswert sind, weil die meisten Fonds ihren Vergleichsindex gar nicht schlagen und die anderen nicht dauerhaft. Da die künftige Wertentwicklung ungewiss ist, die Kosten aber feststehen, empfehlen wir unseren Kunden eine breit diversifizierte Anlage in Dimensional-Fonds oder ETFs, die keinen Ausgabeaufschlag haben und deren laufende Kosten bei maximal 0,5 % liegen.

Netto-Policen statt Brutto-Policen

Wir empfehlen unseren Kunden Netto-Policen. Diese haben keine Vertriebskosten, geringe Verwaltungs- bzw. Stückkosten und geringe Kosten auf das Fondsvermögen. Die Unterschiede der beiden Policenformen haben wir in unserem Beitrag Honorar-Konzept dargestellt.

Der Versicherungsmantel hat mehrere Steuervorteile

Von der Einmalauszahlung einer fondsgebundenen Lebensversicherung verschont der Fiskus am Ende die Hälfte der Überschüsse, wenn der Vertrag 12 Jahre bestanden hat und erst nach Vollendung des 62. Lebensjahres des Anlegers endet. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, gilt für die Versteuerung der halben Überschüsse der persönliche Steuersatz. Wenn nicht, gilt genau wie beim Sparplan für die gesamten Überschüsse die übliche Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich des Solidaritätszuschlages. Das sind unter dem Strich 26,375 %. Steuervergleich Teil 1: 26,375 % auf alles beim Fondssparplan gegen 30, 35 oder vielleicht 40 % auf die Hälfte. Je niedriger das Einkommen, desto größer das Plus der Fondspolice.

Der zweite Vorteil betrifft die Behandlung von Zinsen und Dividenden: Hier haben Fondspolicen den Vorteil eines größeren Zinsenzinseffektes, weil die Erträge im Vertrag bleiben und nicht sofort versteuert werden müssen. Diese Steuerstundung bis zum Ablauf relativiert sich jedoch, wenn der Anleger eines Fondssparplans noch über seinen Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro im Rahmen der Einzelveranlagung bzw. 1602 Euro bei zusammenveranlagten Personen verfügt.

Das Umschichten von Fonds führt zum dritten Vorteil. Umgeschichtet wird, wenn sich ein Fonds nicht gut entwickelt, im Rahmen eines Ablaufmanagements oder beim Rebalancing. Bei Fondspolicen wird innerhalb des Vertrags steuerfrei umgeschichtet; im Depot wird verkauft und wieder gekauft. Der Verkauf ist abgeltungssteuerpflichtig. Beim Vorteil der Fondspolice handelt es sich um eine Steuerstundung, deren genauer Effekt ausgerechnet werden muss.

Ein weiterer, wichtiger Vorteil ist die steuerfreie Auszahlung im Todesfall. Die Erben erhalten die Auszahlung aus einer Lebensversicherung, ohne Abgeltungsteuer bezahlen zu müssen. Das heißt, die „stille Reserve“ der bis dahin aufgeschobenen Ertragsteuern wandelt sich dann in eine echte Steuerersparnis um und erreicht in diesem Fall deutliche Vorteile gegenüber einer direkten Fondsanlage.

Fazit

Aus einkommensteuerlichen Gesichtspunkten ergibt eine Fondspolice für den „normalen“ Sparer keinen Sinn. Durch den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro für Ledige beziehungsweise 1.602 Euro für Ehepaare bleibt auch das Fondsdepot insoweit steuerfrei. Berücksichtigt man bei der Fondsanlage z.B. einen durchschnittlichen steuerpflichtigen Ertragsanteil von 2 % durch Zinsen und Dividenden, so wird für den alleinstehenden Anleger erst dann Abgeltungsteuer fällig, wenn er einen Depotwert von 40.050 Euro erreicht hat, bei Ehepaaren wäre es das Doppelte. Dieser Wert wäre bei einem monatlichen Sparbetrag von 200 Euro und einem Gesamtertrag von 4 % jährlich nach Kosten erst nach fast 13 Jahren erreicht.

Gestaltungsinstrument für Vermögensplanung

Die Versicherungspolice ist nicht nur ein Anlagevehikel, sondern kann zumindest bei Einmalanlagen bei vermögenden Kunden viel mehr auch als steuerliches und privatwirtschaftliches Gestaltungsinstrument benutzt werden. Mit der Police können Vermögensübertragungen gesteuert werden, auch über das eigene Ableben hinaus. Es lassen sich z.B. mit Bezugsberechtigungen individualisierte Absicherungen für die Familie gestalten und jederzeit wieder ändern. Da die Versicherungssumme außerhalb der Erbmasse und somit ohne Einbeziehung ins Testament ausgezahlt wird, lassen sich so Erbstreitigkeiten ggf. vermeiden.

Bei Vermögensübertragungen in Form von Schenkungen können Policen auch mit einem Nießbrauchsvorbehalt verschenkt werden. Damit lässt sich ein deutlich über den Freibeträgen liegendes Vermögen steuerfrei verschenken. Wird beispielsweise von einem 65-jährigen Vater 1.000.000 Euro an sein Kind in Form einer Fondspolice mit Nießbrauch verschenkt, wird keine Schenkungsteuer fällig, obwohl der Freibetrag sich nur auf 400.000 Euro beläuft. Der Wert des Nießbrauchs beträgt in diesem Fall 610.000 Euro, der von der Schenkung abgezogen wird. Somit werden steuerlich nur 390.000 Euro verschenkt. Die Ersparnis an Schenkungsteuer liegt bei 90.000 Euro. Der Schenker selbst kann weiterhin über die Erträge, also Zinsen und Dividenden, verfügen.

Produktanforderungen

Fondsplattformen tragen zu einer kostengünstigen Verwaltung für Verbraucher bei. Im Versicherungsmantel lassen sich zusätzlich erhebliche Kosten sparen. Es kommt darauf an, ein Produkt zu finden, das die Vorteile eines preiswerten Versicherers mit denen einer kostengünstigen Fondsplattform kombiniert.

Versicherungen müssen im Punkt Flexibilität die folgenden Kriterien erfüllen, ansonsten sind Sie nicht wettbewerbsfähig:

  • Entnahmen täglich kostenfrei per Onlineantrag
  • Keine Stornogebühren
  • Sehr große Auswahl an Fonds – bei z.B. mehr als 3.500 Fonds sind praktisch alle Anlagestrategien darstellbar.
  • Fondstausch täglich kostenfrei per Onlineantrag
  • Einzahlungen per Überweisung oder per Depotübertrag
  • Auszahlungen per Überweisung oder per Depotübertrag
  • Keine Mindesthaltedauer

Fazit

Ein Entscheidungskriterium ist die Art der Auszahlung. Bei Kapitalauszahlungen liegen beide Produkte nach Kosten und Steuern gleich auf, bei lebenslangen Renten hat die Versicherung klar die Nase vorn. Diese hat zudem den Vorteil der Rentengarantie und bildet das Langlebigkeitsrisiko besser ab. Beim Depot mit Entnahmeplan besteht die Gefahr, dass am Ende des Geldes noch Lebenszeit nach ist.

Es muss in jedem Einzelfall eine genaue Vergleichsrechnung vorgenommen werden, die alle Kostenparameter abbildet und die steuerliche Situation richtig erfasst. Aus Kundensicht lohnt sich eine Netto-Police insbesondere, wenn der Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft ist, Wert auf Portfoliooptimierung gelegt wird, etwa durch Rebalancing, oder das Vertragsvermögen vererbt werden soll.

Im Financial-Planning kann der Einsatz geeigneter Versicherungsmäntel sinnvoll sein, wenn es die komplexe Beratungssituation des Kunden erfordert, Geldströme sowohl fiskalisch als auch zielgerichtet zu steuern.


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